Zum Praktikum nach Malta - Ein Reisebericht

(Foto: Bruno Kaufmann)

 

Bruno Kaufmann und Max Schäfer sind Auszubildende zum Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste in der Universitätsbibliothek Magdeburg (UB) im 3. Lehrjahr. Sie machten sich auf nach Malta, um dort das Bibliothekswesen kennenzulernen. Untergebracht in einer internationalen Wohngemeinschaft arbeiteten die beiden im Metropolitan Chapter Mdina, einer Kathedrale mit Archiv und Spezialbibliothek. Sie besuchten zudem die Nationalbibliothek, die Central Public Library sowie die Universitätsbibliothek Malta. Die Beiden kehrten mit wertvollen fachlichen und persönlichen Erfahrungen zurück. Lesen Sie eine sehr persönliche Reisebeschreibung von Bruno Kaufmann. 

 

Wie alles begann

Nur durch eine Empfehlung von Jakob Reuter, einem damaligen Azubi, heute Mitarbeitender an der UB, kommen wir überhaupt erst auf diese Idee. Er hilft uns auch bei der Kontaktaufnahme zum Verein „3K AKTIV e.V.“ , der das Ganze mit organisiert und ermöglicht. Weiter geht es damit, alle Einverständnisse von den Ausbilderinnen (Anne-Kathrin Brehme und Janice Strickrodt), der Leitung der UB (Linda Thomas) und der Berufsschulleitung (Frau Lederer) einzuholen.
Gesagt, getan. Mit ausgefüllten Dokumenten folgt ein Bewerbungsschreiben über das Portal „Europaktiv.eu“ im Februar 2025, womit dann Einrichtungen und Organisationen in den gewünschten Ländern kontaktiert werden. Unsere Auswahl fällt, nach einem kurzen Hin und Her, auf Irland, jedoch ändert sich dies. Einen Monat vor der Abreise (Ende August 2025) kommt die E-Mail von unserer Kontaktperson bei „3K-Aktiv e.V.“, in der diese mitteilt, dass es mit Irland vor Mitte 2026 nichts werden würde. Da dies zu nah an unserem Ausbildungsende ist, wählen wir Malta als Alternative. 
Dann geht alles ganz schnell, Schlag auf Schlag: von einem Interview, warum wir ein Auslandspraktikum machen wollen, über das Ausfüllen der Erklärung zu Fördermitteln (für bspw. Flugtickets, Unterkunft, Versicherungen) bis hin zu Belehrungen (da es unser erster Flug und die erste Auslandsreise ist). Flugtickets werden gekauft, Flugbestätigungen an den organisierenden Verein geschickt, Auslandsversicherungen geklärt und Empfehlungen eingeholt, was auf der Insel auf jeden Fall nicht verpasst werden darf- von Restaurants bis hin zu einzelnen Gebäuden und Plätzen ist alles dabei.


Vier Wochen vor Abflug

Wir wissen immer noch nicht, wo wir arbeiten und wo wir untergebracht sind auf Malta. Diese Eckdaten brauchen wir jedoch für eine A1-Bescheinigung. Zwei Wochen später, und somit zwei Wochen vor Abflug, kommt die erlösende E-Mail mit allen Informationen, die wir umgehend an Ines Busse (Dezernat Personalwesen) schicken.


Einen Tag vor Abflug

Max und ich sitzen nebeneinander in der Berufsschule und so langsam setzt das Bewusstsein ein, dass wir in wenigen Stunden in der Luft und weit weg von Deutschland sein werden. Gegen 18:30 Uhr zu Hause angekommen, nach der Berufsschule in Thüringen, und schon k.o., geht das Kofferpacken erst richtig los. Da es der erste Flug für uns sein wird, wird einfach reingestopft, was notwendig ist. Da 23 kg Platz im Koffer eine Menge sind, wird an Kleidung nicht gespart. Dazu kommt noch ein 8 kg Gepäckstück und Handgepäck von rund 1,5 kg. 


Ready to take off

Um 4:00 Uhr morgens geht es zum Hauptbahnhof und von dort mit dem RE1 in Richtung Potsdam, von wo wir zum Flughafen „BER“ gelangen. Die Wartezeit von zwei Stunden wird durch staunendes Umschauen auf dem Flughafen überbrückt, bevor es zum Check-in und zur Sicherheitskontrolle geht. Ohne Komplikationen finden wir unser Gate und haben noch ein paar Minuten übrig, um nervös zu sein, bevor es zum Boarding geht. Max erhält beruhigende Worte von mir und dann öffnet sich das Gate. Das erste Mal ein Flugzeug von innen sehen und innerhalb von einer Stunde schon in Warschau - unserem Zwischenstopp - landen. Wahnsinn! Am „International Airport“ in Malta angekommen, ereilt Max eine neue Welle der Nervosität: Ganze 40 Minuten warten wir auf das Gepäck. Schaffen wir es pünktlich zu unserem Abholauto? Was, wenn unsere Koffer gar nicht ankommen? Zum Glück läuft alles glatt, und wir erreichen kurze Zeit später unsere WG für die nächsten vier Wochen. Schnell noch bei Lidl einkaufen (ja, den gibt’s auch auf Malta!) und dann ab ins Bett, damit wir den nächsten Tag gut ausgeruht starten können.


Der erste Tag auf Malta

Wir haben ausgiebig Zeit, die Umgebung zu erkunden und den Abend entspannt bei einem fantastischen Essen in der „Kantina“ in der Hauptstadt Valletta ausklingen zu lassen. Bei Kerzenschein dämmert uns beiden: wir sind auf Malta angekommen und bereit für einen Monat voller Abenteuer.

 

In der Altstadt von Maltas Hauptstadt Valletta. (Foto: Bruno Kaufmann)

 

Der darauffolgende Tag

Wir treffen uns mit der Organisation „Easy Job Bridge“, welche Auszubildende - wie uns - mit lokalen Partnern und Unternehmen vernetzen, um so branchenspezifische Erfahrungen sammeln zu können. Auch unsere Unterkunft wird über die Organisation zur Verfügung gestellt. Wir erhalten eine kurze Belehrung und Einweisung für das Auslandspraktikum und entrichten eine WG-Kaution. Zu unserer siebenköpfigen Wohngemeinschaft zählen, neben uns, jeweils zwei weitere Personen aus Deutschland und der Schweiz und eine Person aus Finnland. Gemeinsam brechen wir zu einer Bus-Sightseeingtour auf, um die jeweiligen Praktikumseinrichtungen kennenzulernen und einen groben Eindruck von Malta zu erhalten. Die Arbeitsstätte von Max und mir ist für die kommenden Wochen das „Metropolitan Chapter Mdina“ - eine Kathedrale mit zwei imposanten Museen und einer dazugehörigen Bibliothek mit Archiv. Zum ersten Mal treffen wir Danica, unsere Ansprechpartnerin und neue Kollegin, bevor wir den zweiten Abend in der neuen WG-Runde ausklingen lassen.

 

Das Praktikum

Ähnlich wie Zuhause beginnt unser Arbeitstag um 8:00 Uhr. Wir starten mit einer Führung durch die Archivbestände der Kathedrale und der Spezialbibliothek, eine Etage weiter oben. Spannend ist unser darauffolgender Austausch zu der deutschen und maltesischen Kultur. Die maltesische Küche ähnelt der italienischen, hat aber arabische Einflüsse (z. B. Datteln, Gewürze). Wir sind gerade zur richtigen Zeit vor Ort, denn jedes Dorf feiert seine „Festa“ zu Ehren des Schutzheiligen und es gibt jede Menge Essen, Feuerwerk und Musik. Nach unserem ausgiebigen Kennenlernen folgt die Einführung in unsere Tätigkeit für die Zeit unserer Mitarbeit. Wir sind von nun an für die Katalogisierung der Architektur- und Künstlerbestände der Bibliothek verantwortlich.

 

In der Metropolitan Chapter Mdina - dem Arbeitsplatz für Bruno Kaufmann und Max Schäfer für die Zeit ihres Praktikums (Foto: Bruno Kaumann)

 

Auch die Option der Digitalisierung war möglich (die bisher nur sporadisch von der Bibliothek verfolgt worden ist), sodass wir die Bücher in einen Online-Katalog eingetragen oder bereits vorhandene Datensätze korrigiert haben. Die hier benutze Software ist „Librarika“ (ILS), mit der man Bücher aufnehmen kann und Ausleihen vermerken kann, um so Statistiken über den Bestand und das Ausleihverhalten zu gewinnen. Zuhause an der UB Magdeburg nutzen wir ein anderes System (LBS) und zusätzlich zahlreiche (von unserer IT) maßgeschneiderte interne Tools. 

Schwerpunkte der Archivbestände sind vor allem Noten und Accountbücher (Schriften, die Priester geführt haben), in denen festgehalten ist, wer in welcher Straße mit welcher Hausnummer wohnt, wie viele Personen welchen Alters und Geschlechts in den Häusern wohnen, sowie Randnotizen.

 


Schwerpunkte der Archivbestände sind u.a. von Pristern geführte Accountbücher. (Foto: Bruno Kaufmann)

 

Der Digitalisierungsprozess

Das Digitalisieren verläuft mit einer befestigten Kamera, bei der jede Seite einzeln aufgenommen und in die Cloud hochgeladen wird. Das System entstand in Kooperation mit der „Hill Museum & Manuscript Library“. Hier ein Beispiel. Der gesamte Digitalisierungsprozess wird stark betont und möchte vorangetrieben werden, ist aber durch fehlende finanzielle Mittel und ungenügend Personal ausgebremst. Das Archiv hat damit zu kämpfen, die Digitalisierung zu verfolgen und parallel dem Alltagsgeschäft nachkommen zu können, obwohl die klimatischen Bedingungen der Insel zur Digitalisierung drängen. Die Archive und andere historische Einrichtungen sind durch Regierungsbeschlüsse in ältere Gebäude eingezogen, deren Räumlichkeiten nicht auf Archivgüter ausgelegt sind. Nur durch eine baldige Digitalisierung können sie langfristig erhalten und zugänglich gemacht werden. Und nichts ist den Malteser*innen wichtiger als ihre Geschichte und Kultur.


Weitere Entdeckungen

Glücklicherweise ist unsere Arbeitszeit immer so gelegt, dass wir den späten Nachmittag und Abend stets für eigene Erkundungen nutzen können. Unsere Kollegin Danica unterstützt uns dabei, die Nationalbibliothek Maltas zu besuchen, die „Bibljoteka Nazzjonali ta’ Malta“. Hier treffen wir auf Jeremy, der uns durch eine umfassende Führung Einblicke in die maltesische Geschichte und die historischen Bestände dieser eindrucksvollen Bibliothek gewährt.

 

Eindrucksvoll, die Nationalbibliothek Maltas. (Foto: Bruno Kaufmann)

 

In der Woche darauf werden wir mit der „Central Public Library“ in Floriana, der Öffentlichen Bibliothek auf Malta, vertraut gemacht, zu der rund 56 Teilbibliotheken gehören. Wir werden hier nicht nur durch die Regale geführt, sondern dürfen hinter die Kulissen schauen. Angefangen bei den Mitarbeitenden der einzelnen Abteilungen wie bspw. den Serviceteams oder den Kolleg*innen der Kinder- und Jugendliteratur sowie der beeindruckenden Sektion „Talking Books“. Dies ist ein Angebot für blinde Menschen, um in den Genuss von Büchern zu kommen, mithilfe von selbstproduzierten Hörbüchern. Sobald es einen Leserwunsch gibt, wird nach einem/ einer Sprecher*in gesucht, der/ die das Buch Kapitel für Kapitel einspricht. Sobald eine freiwillige Person gefunden ist, wird im Laufe von vier bis 24 Wochen ein eigenes Hörbuch fertiggestellt. So konnten bisher etwa 13.000 Bücher auf Kassette produziert und ausgeliehen werden, von denen schon 5.000 in MP3 konvertiert sind.

 

Die „Central Public Library“ in Floriana, die Öffentlichen Bibliothek auf Malta. (Foto: Bruno Kaufmann)

 

Natürlich durfte bei unserer Erkundungstour auch die Universitätsbibliothek Malta nicht fehlen. Eine ausführliche Rundtour, angefangen bei der Geschichte der Universität bis hin zu den einzelnen Bereichen und des Open-Access Teams, offenbarte uns zahlreiche neue Eindrücke und die Erkenntnis, was wir in unserer „Heimat-Universitätsbibliothek“ zu schätzen wissen dürfen.

 

Die Heimat ruft

Unsere Reise endet dort, wo sie begonnen hat. Am letzten Abend vor unserer Rückkehr lassen wir die ganzen neu gesammelten Abenteuer, Eindrücke und Erfahrungen in der Dämmerung Vallettas ausklingen. Am Sonntagmorgen geht alles ganz schnell, mit gepackten Koffern an der Straße wartend, setzen gleichzeitig Freude und Trauer ein. Es geht wieder zurück nach Hause, aber es ist auch schade, dass wir gehen. Was wir alles gesehen, geschmeckt und vor allem erlebt haben, wird immer ein Teil von uns bleiben. Am Airport in Luqa (Malta) gehen wir nochmal einmal alles durch und verfassen einen letzten Abschiedsgruß an die Betreuer*innen aus unserem Praktikumsbetrieb.


Liebe Grüße aus der UB, Ihr Bruno Kaufmann

Letzte Änderung: 15.12.2025 -
Ansprechpartner: Webmaster