Die Krise im Gesundheitswesen diskutiert
Europa-Woche
Über europäische Projekte und ihren Einfluss bei der Lösung der Krise im Gesundheitswesen diskutierten während der Europa-Woche Anfang Mai 2002 in einem Workshop im einewelt-Haus Magdeburg Experten aus vier Ländern. Veranstaltet wurde der Workshop vom Institut für Biometrie und Medizinische Informatik der Medizinischen Fakultät in enger Zusammenarbeit mit der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V.
Die generelle Krise des Gesundheitswesens ist nicht auf die Bundesrepublik beschränkt. Die Wege zur ihrer Bewältigung sind in den verschiedenen Mitgliedsländern der Europäischen Union jedoch sehr unterschiedlich. Die Europäische Kommission startete im Rahmen ihrer Forschungs- und Entwicklungsprogramme internationale Projekte zur Entwicklung von Lösungen für Gesundheitsinformationssysteme (GIS) und Gesundheitsnetze (GN) mit dem Ziel der Erhöhung von Effizienz und Qualität der Gesundheitsversorgung.
Der Workshop beleuchtete stellvertretend einige Aspekte der Zusammenarbeit im Bereich des europäischen Gesundheitswesens und widmete sich vor allem dem wachsenden Einfluss von internationaler Kommunikation und Kooperation mit elektronischen Medien (z.B. über das Internet) und erörterte deren Rolle bei der Lösung der aktuellen Krise des Gesundheitswesens weltweit. Es wurden dabei auch Probleme und Chancen der Gesundheitsversorgung in der Informationsgesellschaft diskutiert. Dafür hatten sich Experten aus den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland zur Verfügung gestellt, die zuerst aus ihrem jeweiligen Blickwinkel die Belange einer europaweiten Kommunikation zwischen den Gesundheitssystemen und die Sicherung eines einheitlichen und hohen Qualitätsstandards im Zusammenhang mit europäischen Projekten erörterten, gleichzeitig aber auch die Internet-bezogenen Aspekte in den beteiligten Ländern darstellten und gesundheitspolitische sowie Umweltaspekte berührten.
Steigerung der Effizienz
Interessant war, dass alle vertretenen Länder ihre Aufwendungen für das Gesundheitswesen und insbesondere für Gesundheitstelematik in den vergangenen Jahren steigerten und in den nächsten Jahren noch spürbarer erhöhen werden. Die Bundesrepublik liegt bei den Ausgaben seit Jahren international an zweiter Position nach den USA. Eine WHO-Studie zur Qualität der medizinischen Versorgung ergab für uns jedoch nur Platz 23. Somit stellt sich für das deutsche Gesundheitswesen sehr dringlich die Frage nach Steigerung von Qualität und Effizienz der Patientenversorgung.
Aus den unterschiedlichen Erfahrungen der internationalen Projektgruppen bei der Realisierung der Projekte sowie bei der anschließenden Harmonisierung der nationalen Lösungen im internationalen Vergleich resultieren Prinzipien und konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation in Deutschland. Ergebnisse sind z.B. optimale Formen der elektronischen Krankenakte, aber auch Infrastrukturen für sichere Kommunikation und Kooperation zwischen Personen und Einrichtungen des Gesundheitswesens unter Einbeziehung des Patienten. Diese Ergebnisse europäischer Projekte schlagen sich in Standards nieder, die zusätzlich zu den Vorteilen eines verbesserten Gesundheitswesens die Zukunftssicherheit der Lösungen garantieren sowie die Chancen für den Export von Methoden und Produkten auch deutscher Anbieter erhöhen.
Die abschließende Podiumsdiskussion wurde durchaus kontrovers geführt. Sie gab insbesondere auch den anwesenden Gästen Gelegenheit für kritische Fragen und die Anreicherung des Workshops mit den Erfahrungen der Kunden unseres Gesundheitswesen - unserer Patienten.