Ein freies Zimmer kann viel bewegen
Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Gerade für Studierende und Auszubildende wird die Suche nach einer passenden Unterkunft in Magdeburg zunehmend schwieriger. Gleichzeitig gibt es Menschen, die über ein freies Zimmer verfügen oder sich Unterstützung und mehr Austausch im Alltag wünschen. Genau hier setzt das Projekt „MIT einander – FÜR einander“ des Studentenwerks Magdeburg an.
Die Idee ist einfach: Menschen zusammenbringen, die voneinander profitieren können. Studierende und Auszubildende erhalten bezahlbaren Wohnraum, während Wohnraumgebende Unterstützung im Alltag und neue soziale Kontakte gewinnen können. Dabei geht es nicht nur um eine Unterkunft, sondern um Begegnungen, Gespräche und ein Miteinander über Generationen und Kulturen hinweg.
„Für mich beschreibt der Name sehr gut, worum es in unserem Projekt geht: Menschen begegnen sich auf Augenhöhe und gestalten ein Miteinander, von dem beide Seiten profitieren können“, sagt Projektkoordinatorin Marie Pöhlmann. Für sie ist das Projekt auch eine Herzensangelegenheit: „Magdeburg ist meine Heimatstadt. Deshalb möchte ich einen Beitrag dazu leisten, Menschen wieder stärker miteinander in Verbindung zu bringen.“
Vom freien Zimmer zur Wohnpartnerschaft
Das Studentenwerk vermittelt nicht einfach Wohnraum, sondern begleitet den gesamten Prozess. Interessierte Wohnraumgebende und Wohnraumsuchende melden sich bei der Projektkoordination und geben in einem Steckbrief ihre Vorstellungen, Wünsche und Rahmenbedingungen an. Der angebotene Wohnraum wird persönlich geprüft. So entsteht ein verlässlicher Rahmen für beide Seiten.
Auf dieser Grundlage der Angaben sucht das Studentenwerk passende Partnerinnen und Partner. Wenn die Vorstellungen zusammenpassen, lernen sich beide Seiten bei einem persönlichen Treffen kennen. Erst wenn alle Beteiligten ein gutes Gefühl haben, werden die gemeinsamen Vereinbarungen festgehalten.
„Perfekt zueinander passen muss man nicht“, erklärt Marie Pöhlmann. „Oft sind es gerade die Unterschiede in Alter, Herkunft oder Lebensweise, die eine Wohnpartnerschaft spannend machen. Entscheidend ist die Bereitschaft, einander mit Interesse und Wertschätzung zu begegnen.“
Eine Wohnpartnerschaft lebt von gegenseitigem Respekt und klaren Absprachen. Beide Seiten sollten offen darüber reden, welche Erwartungen, Wünsche, aber auch Grenzen sie haben. So können Missverständnisse vermieden werden und ein gemeinsames Zuhause entstehen.
Offenheit ist die wichtigste Voraussetzung
Auch unserer Mitarbeitenden können das Projekt auf unterschiedliche Weise unterstützen. Besonders gefragt sind Personen, die ein geeignetes Zimmer in ihrer Wohnung oder ihrem Haus zur Verfügung stellen möchten. Aber auch Empfehlungen im eigenen Umfeld wie dem Verein, der Kirchengemeinde, der Nachbarschaft oder Freundeskreis helfen weiter. Viele Menschen verfügen über freie Räume oder suchen nach Möglichkeiten, Unterstützung und Gemeinschaft im Alltag zu erleben.
Besonders berührt haben Marie Pöhlmann die persönlichen Begegnungen. Wenn Menschen von ihrer Wohnsituation erzählen, von ihren Herausforderungen im Alltag oder davon, warum sie sich eine Wohnpartnerschaft vorstellen können, wird deutlich, dass hinter dem Projekt echte Bedürfnisse und Lebensgeschichten stehen.
Die Vision von Marie Pöhlmann ist, dass Wohnpartnerschaften in Magdeburg in einigen Jahren ganz selbstverständlich dazugehören: „Wenn Menschen ein freies Zimmer haben oder junge Menschen eine Wohnung suchen, soll die Idee einer Wohnpartnerschaft genauso naheliegend sein wie andere Wohnformen.“ Sie wünscht sich, dass sich das Projekt als fester Bestandteil in der Stadt etabliert und ein starkes Netzwerk entsteht. „Idealerweise kennen in drei bis fünf Jahren viele Menschen in Magdeburg das Projekt und wissen, an wen sie sich wenden können. Vor allem hoffe ich, dass wir dann auf viele erfolgreiche Wohnpartnerschaften zurückblicken können. Nicht nur, weil dadurch Wohnraum geschaffen wurde, sondern weil Begegnungen entstanden sind, die sonst vielleicht nie stattgefunden hätten.“
Wer Teil dieser Idee werden möchte, kann sich an die Projektkoordination des Studentenwerks Magdeburg wenden. Denn aus einem freien Zimmer kann mehr entstehen: ein neues Zuhause, eine Begegnung und ein echtes „MIT einander“.
TEXT: Ines Perl