Mit dem Smartphone Biodiversität auf dem Campus aufspüren

Citizen Science bringt Forschung aus dem Elfenbeinturm mitten in die Gesellschaft, lässt Bürger*innen aktiv an wissenschaftlichen Prozessen teilhaben und mitwirken. Das EU-GREEN-Projekt „BioUniversity“ macht Biodiversität auf europäischen Campus sichtbar. Dafür braucht es viele Daten auch aus Magdeburg. Wie funktioniert die Datenerhebung per App, und welchen Mehrwert liefert sie für Forschung und Umweltbewusstsein? Einen kompakten Einblick in das wachsende europäische Mitmachprojekt gibt Ihnen Dr. Antonio Roselli, Mitinitiator der Einführung der App „iNaturalist“ in Magdeburg.

 

Was ist eigentlich Citizen Science und welche Rolle spielt sie in der Hochschulallianz EU GREEN? 

Citizen Science bezeichnet eine bestimmte Art, Wissenschaft zu betreiben. Das Besondere daran ist die aktive Einbeziehung von Bürger*innen in die verschiedenen Phasen, die ein Forschungsvorhaben ausmachen. Durch partizipative Formate erlangen Bürger*innen nicht nur Einblicke in die Art, wie Wissenschaft „gemacht wird“, sondern tragen selbst aktiv zur Forschung bei: Dabei können sie „nur“ Daten sammeln („contributory level“), je nach Vorhaben können sie aber auch bei der Entwicklung der Arbeitshypothesen und der Datenanalyse („collaborative level“) oder darüber hinaus sogar bei der Entwicklung der Fragestellung, der Aufarbeitung der Ergebnisse und deren Veröffentlichung beteiligt sein („co-created level“). Aber auch „nur“ Daten sammelt, ist es nicht wenig: Ein Citizen-Science-Projekt impliziert immer auch eine transparente Kommunikation über die Ziele, die Ansätze und die Methoden sowie eine barrierefreie Veröffentlichung der Forschungsergebnisse. Partizipation geht mit Lernprozessen einher, die zur „scientific literacy“ beitragen – und dies nicht nur in den Naturwissenschaften! Denn Citizen Science wird u.a. auch in den Geschichts- oder Kunstwissenschaften eingesetzt. Innerhalb unserer europäischen Hochschulallianz EU GREEN spielen Citizen-Science-Projekte eine wichtige Rolle, da sie eine Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft bauen und einen Austausch ermöglichen. So gesehen ließen sich Citizen-Science-Projekte auch in eine Third-Mission-Strategie der Universitäten verorten. Innerhalb der Allianz wurde ein gemeinsames Citizen-Science-Projekt ins Leben gerufen: „BioUniversity“.

 

Artenvielfalt auf dem Campus

Artenvielfalt auf dem Campus (Foto: Archiv Medienzentrum)

 

Worum geht es im Citizen-Science-Projekt „BioUniversity“?

Im allianzweiten Projekt „BioUniversity“ werden Daten zur Biodiversität an den jeweiligen Campus erhoben, die dann für künftige Forschungsprojekte zur Verfügung stehen werden. Mit dieser Initiative möchte die EU-GREEN-Alliance das Umweltbewusstsein und den Schutz natürlicher Ressourcen fördern. Es ist nicht nur spannend zu sehen, wie viele unterschiedliche Pflanzen und Tiere sich zwischen unseren Universitätsgebäuden tummeln, sondern auch, wie es an den anderen Standorten in Portugal, Spanien, Irland, Schweden, Frankreich, Polen, Rumänien und Italien aussieht. Der Ansatz entspricht dem „contributory level“, sozusagen als „Einstiegsmodell“ in die Citizen Science. Dabei richtet sich das Projekt nicht nur an die Studierenden und Universitätsangehörigen, sondern auch an die breitere Öffentlichkeit. Wenn man z. B. den Campus der Fakultät für Humanwissenschaften an der Zschokkestraße betrachtet, sieht man insbesondere nachmittags viele Familien, welche die Grünflächen als Erholungsraum nutzen, viele Jugendliche, die dort Zeit verbringen, Kinder, die spielen. „BioUniversity“ bietet somit eine ideale Möglichkeit, um diese Gruppen in ein Forschungsprojekt einzubeziehen und so – durch Teilhabe und fast „nebenbei“ – Einblicke in wissenschaftliche Prozesse gewinnen zu lassen.

 

Dr. Antonio Roselli

Dr. Antonio Roselli (Foto: Jana Dünnhaupt)

 

Was ist die App „iNaturalist“ und wie funktioniert sie?

Im Rahmen des Projekts werden die Daten mit der App „iNaturalist“ bequem über das eigene Smartphone erhoben. Die Schritte sind dabei recht einfach: Sobald man die App installiert und ein eigenes Profil angelegt hat, kann es losgehen. Mit der Kamera können Pflanzen und Tiere fotografiert und anschließend von den Nutzer*innen bestimmt werden. Wenn man sich unsicher ist, hilft „iNaturalist“ bei der Bestimmung der Pflanzen und Tiere durch Vorschläge. Darüber hinaus findet man zu den abfotografierten Pflanzen und Tieren weiterführende Informationen. Bei „iNaturalist“ ist „BioUniversity“ als Projekt bereits angelegt , so dass alle Daten, die in den angegebenen Arealen erhoben werden, automatisch in das Projekt einfließen. Unter den „iNaturalist“-Nutzern gibt es Expert*innen, die die Daten überprüfen und validieren. Wenn die Einträge den Status „Forschungsqualität“ erhalten, werden sie für die Forschung freigegeben. Tatsächlich entstehen bereits im EU-GREEN-Kontext erste Abschlussarbeiten, die mit den Projektdaten arbeiten.

Wir werden verschiedene Veranstaltungen anbieten, um das Projekt vorzustellen und die Nutzung der App gemeinsam zu erproben, so z. B. am 22. Mai um 11:30 Uhr im Gebäude 40, Raum 412. Bei Interesse können Sie gerne vorbeikommen. Falls Sie an der OVGU bereits Citizen-Science-Projekte durchführen oder solche planen, würde ich mich sehr über einen Austausch freuen. Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Letzte Änderung: 26.05.2026 -
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