2025
17 Stipendien vom Land für Promovierende der OVGU
„Das Graduiertenstipendium des Landes Sachsen-Anhalt ist eine ganz besondere Chance für exzellente Nachwuchswissenschaftler*innen in den unterschiedlichen Fachbereichen der OVGU an hochaktuellen Forschungsfrage zu arbeiten“, hebt Prof. Dr. Franziska Scheffler hervor. Sie übergab stellvertretend für die Prorektorin für Studium und Lehre die Urkunden für ein Graduiertenstipendium an 10 Stipendiat*innen Ende September 2025 persönlich. Das Land Sachsen-Anhalt fördert seit dem 1. Januar 2024 insgesamt 17 neue Nachwuchswissenschaftler*innen der OVGU mit dem Graduierten-Stipendium.
Der Fördersatz beträgt 1.400 Euro monatlich, zuzüglich Sach- und Reisekosten. Zum Juli 2025 hatte das Wissenschaftsministerium die Grundförderung auf diesen Betrag erhöht. „Dabei sind die Promovierenden nicht auf die Finanzierung aus thematischen Projektförderungen oder das Haushaltsbudget angewiesen. Entscheidend für den Erfolg bei der kompetitiven Bewerbung sind persönliche Exzellenz, ein interessantes und gut begründetes Forschungskonzept sowie die Unterstützung durch eine Hochschullehrerin oder einen Hochschullehrer. Der Erfolg dieser Nachwuchsförderung zeigt sich in den vielen erfolgreich abgeschlossenen Promotionen der vergangenen Jahre“, unterstreicht Professorin Scheffler. Die Förderung gilt für drei Jahre, mit der Möglichkeit einer Verlängerung um ein halbes Jahr. Insgesamt erhalten derzeit 38 Promovierende der OVGU ein Graduiertenstipendium vom Land.
Gibt Freiheit, Unterstützung und Zuversicht
Unter den 17 neuen Stipendiat*innen sind drei internationale Promovierende. Eine von ihnen ist Farnaz Hashemnia, die das Stipendium seit Januar 2024 für ihre Promotion an der Fakultät für Humanwissenschaften erhält. Sie antwortete auf die Frage, was ihr das Stipendium bedeutet: „For me, this scholarship is especially meaningful as an Iranian migrant and former activist, as it gives me the freedom, support, and confidence to carry my values into research and to fully dedicate myself to my thesis on migration and identity. At the same time, it connects me to a community of scholars, which I find both inspiring and deeply motivating.“
(Für mich als iranische Migrantin und ehemalige Aktivistin ist dieses Stipendium besonders bedeutsam, da es mir die Freiheit, Unterstützung und Zuversicht gibt, meine Werte in die Forschung einzubringen und mich voll und ganz meiner Dissertation über Migration und Identität zu widmen. Gleichzeitig verbindet es mich mit einer Gemeinschaft von Wissenschaftlern, die ich sowohl inspirierend als auch zutiefst motivierend finde.)
Rechtssicher forschen und kooperieren
Exportkontrollbeauftragte Katrin Bombitzki berät Forschende und Verwaltung bei internationalen Projekten
Katrin Bombitzki ist seit dem 1. August 2025 Exportkontrollbeauftragte unserer Universität. In dieser Funktion bietet sie Wissenschaftler*innen Unterstützung an, dass Forschung, Kooperationen und internationale Projekte rechtskonform ablaufen. Sie hat 4 Jahre lang Dual-Use-Güter im Bereich Medizintechnik ins außereuropäische Ausland gebracht und 13 Jahre lang eine binationale Hochschule im Nahen Osten mit aufgebaut. Im Interview sprach Katrin Bombitzki mit Redakteurin Ines Perl darüber, wie sie ihre neue Rolle angeht, welche Aufgaben auf sie warten und welche Ziele sie für die kommenden Monate hat.
Wie war Ihr Start an unserer Universität?
Insgesamt war es ein arbeitsreicher Start. Nichts anderes habe ich allerdings erwartet. Mir war klar, dass es sich um den Aufbau und die Gestaltung eines gänzlich neuen Aufgabenbereichs handelte. Ich habe mich über das Vertrauen und die entgegengebrachte Wertschätzung für die eingebrachten Ideen und Entwürfe gefreut.
Können Sie in einfachen Worten erklären, was Exportkontrolle an einer Universität bedeutet?
Exportkontrolle an einer Universität betrifft jeden. Wir möchten in einer sicheren und freien Umgebung leben, forschen und arbeiten. Um dies auch weiterhin tun zu können, brauchen wir Säulen der Stabilität. Die Exportkontrolle kann diesen Rahmen für einen sicheren wissenschaftlichen Austausch schaffen. Dafür sollte sich jeder gern einsetzen.
Was hat Sie motiviert, diese Aufgabe zu übernehmen?
Mich hat es gereizt, diesen neuen Themenkomplex an der OVGU aufzubauen und zu gestalten. Die Relevanz ist für jeden Mitarbeitenden und Forschenden gegeben, das heißt ich setze mit meiner Tätigkeit gesamtheitlich an. Damit habe ich auch Einblick in alle Strukturen und Verwaltungseinheiten. Es bieten sich selten Möglichkeiten wie diese, in einer gewachsenen Organisation solche Prozesse zu gestalten und ggf. an die heutigen Bedingungen anzupassen. Dabei rede ich von nichts Geringerem als der Weltsicherheitslage.
Welche konkreten Aufgaben gehören künftig zu Ihrem Arbeitsalltag?
Ich werde Mitarbeitende, Forschende und die Hochschulleitung bei der sicheren Planung von. z.B. internationalen Projektarbeiten und Kooperationen beraten, Schulungsangebote aufbereiten und das innerdeutsche und EU-weite Netzwerk der Exportkontrollbeauftragten unterstützen. Zudem werde ich ein internes Compliance-Programm aufbauen, damit sich jeder Beteiligte in der Anwendung des Außenwirtschaftsrechts sicher fühlt und vor allem abschätzen kann, ob es überhaupt für das geplante Vorhaben Anwendung findet.
Herausforderungen auf allen Ebenen
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in Ihrer neuen Funktion?
Die Herausforderungen liegen im Grunde auf allen Ebenen: von der verständlichen Aufbereitung erklärungsbedürftiger Gesetzesinhalte über die Umsetzung des Notwendigen und Implementierung in nahezu alle Verwaltungs- und Organisationseinheiten der OVGU als sichere Prozesse bis hin zum Abbau möglicher Skepsis der Mitarbeitenden und Forschenden dem Thema gegenüber.
Wie möchten Sie die Wissenschaftler*innen bei ihrer Arbeit unterstützen?
Ich denke, dass Wichtigste ist es, ein verständliches Angebot zu formulieren. Aus meiner Erfahrung heraus ist es wichtig, bei diesem Thema sichere Prozesse und Strukturen zu etablieren, v.a. für Wissenschaftler*innen, deren Kompetenz in anderen Bereichen liegt. Letztlich möchte ich als zuverlässige Ansprechpartnerin da sein.
Welche Rolle spielen Kooperationen mit internationalen Partnern für Ihre Arbeit?
Das Thema ist, denke ich, am komplexesten im Bereich Exportkontrolle für Hochschulen. Sowohl Sanktionen als auch Länderembargos, Dual-Use-Technologien sowie genereller Wissenstransfer und Austausch mit Drittstaaten aus dem außereuropäischen Ausland sind zu beachten. Für eine gute Einschätzung der Lage helfen bestimmte Prüffragen und Prüfdokumente, welche ich jetzt schon auf der Website, oft auch in grafischer Form, aufbereitet habe. In der Regel handelt es sich um Projekte und Kooperationen, die in Europa stattfinden oder mit sogenannten EU001-Staaten geschlossen wurden, also Staaten, die keinen Embargos unterliegen.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert der Bereich Rüstung sowie militärische Entwicklungen und Forschung. Da ist derzeit vieles im Umbruch. Oft handelt es sich da um Dual-Use-Güter, also Güter, ob physisch oder immateriell in Form von Wissen, die durchaus im Außenwirtschaftsrecht relevant sind, da das Missbrauchspotenzial als hoch eingeschätzt wird. Zu diesen Themen müssen wir im Gespräch bleiben, um ethisch verantwortbare Forschung und Entwicklung zu betreiben.
Wie gehen Sie mit dem Spannungsfeld zwischen Forschungsfreiheit und gesetzlichen Vorgaben um?
Damit gehe ich, um ehrlich zu sein, im Bereich Exportkontrolle, recht entspannt um. Ich sehe im Moment keine Überregulation, nur sehr viel Unsicherheit im Umgang mit den Regeln und damit, diese in vielleicht schon bestehende oder noch aufzubauende Strukturen an der OVGU zu etablieren. Das ist natürlich Mehrarbeit.
Grundlagenforschung ist und bleibt frei. Alles was industrielle Anwendung findet, missbräuchlich verwendet werden könnte und nicht in der EU stattfindet, unterliegt Regeln und das sollte uns alle eher beruhigen als beunruhigen.
Im Gespräch bleiben, Multiplikatoren nutzen, transparente Strukturen schaffen
Wie möchten Sie das Thema Exportkontrolle an der Universität bekannter machen?
Wichtig ist es – und das betrifft wohl alle erklärungsbedürftigen Angebote und Services – im Gespräch zu bleiben, Multiplikatoren zu nutzen und transparente Strukturen zu schaffen, die allen signalisieren, es ist ok, in dem Bereich unsicher zu sein. Und es ist ok, Fragen zu stellen. Nicht jeder hat jede Expertise und das ist auch nicht notwendig.
Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden Monate in Ihrer neuen Funktion gesetzt?
Ziele können nicht allein erreicht werden. Meine Erfahrung mit Veränderungsprozessen ist, dass die äußeren Umstände nicht beeinflusst werden können. Veränderung kann nur aus uns selbst heraus initiiert werden. Wer nicht offen auf diesen Prozess zugeht, den werde ich auch nicht erreichen können. Alle anderen lade ich ein, mich auf diesem Weg zu begleiten.
Auf welche Weise arbeiten Sie mit anderen Abteilungen oder zentralen Stellen der Universität zusammen?
Der erste Schritt war der Aufbau eines Angebotes. Der zweite sind Gespräche im kleinen und großen Rahmen, um Kennzahlen ermitteln zu können und die Basis für die weitere Arbeit zu schaffen. Diese Gespräche dienen auch dazu zuzuhören und Vertrauen in den gemeinsamen Prozess zu schaffen. Das Angebot wird auf dieser Basis weiter aus- und aufgebaut, damit Fragen konkret adressiert werden. Ich arbeite daran, ein Schulungsangebot zu schaffen und daran, mich selbst auf dem neuesten Stand zu halten und bringen. Denn auch ich brauche Schulungen.
Ich spreche aktiv Multiplikatoren, also Personen an, die in Ihren Fakultäten oder Organisationseinheiten Veranstaltungen planen oder Informationen weitergeben. Die langfristige Etablierung wiederkehrender Gespräche wird auch auf Basis eines Internal-Compliance-Programms geschehen. Denn hierfür sind Risikoanalysen in Zusammenarbeit mit den Fakultäten notwendig. Es wird also auch eine Aufgabe sein, hierfür Arbeitsgruppen aufzubauen.
Was wünschen Sie sich von den Beschäftigten der Universität im Hinblick auf das Thema Exportkontrolle?
Wir müssen uns ehrlich machen. Niemand hat auf das Thema gewartet. Es ist bisher, nach meiner Beobachtung, eher als angstbehaftet wahrgenommen worden. Doch anders als vermutet, sind die Regeln als Schutz zu verstehen und nicht als Verhinderung von Forschung.
Die Veränderungen um uns herum haben schon stattgefunden. Von den Beschäftigten der OVGU wünsche ich mir – wie von mir selbst – den Mut, diese Veränderungen zu akzeptieren.
Vielen Dank für das Gespräch Frau Bombitzki.
Auf alten Spuren wandeln – Alumni-Kalender
Die Universität Magdeburg hat für Ehemalige und Interessierte einen bebilderten Kalender herausgegeben. Er schlägt eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart der Hochschule, zwischen Erinnerungen ehemaliger Studierender und dem heutigen Campusleben.
Fritz Timpe ist Alumni der Universität und erinnert sich gut an seine Studienzeit an der Hochschule für Schwermaschinenbau, einer Vorgängereinrichtung der Universität Magdeburg: „Wir waren der zweite Studienjahrgang, der damals immatrikuliert wurde. Die Hochschule war noch im Aufbau und unsere Vorlesungen fanden an verschiedenen Orten statt.“ Nach 65 Jahren kehrte er zum Alumni-Tag 2025 im Sommer 2025zur Vergabe des Eisernen Diploms auf den Campus zurück.
Diese besondere Ehrung vergibt die Universität Magdeburg an Jubilare, die an den Vorgängereinrichtungen studiert haben und sich bis heute mit der Hochschule verbunden fühlen. Am Alumni-Tag wurden auch Diamantene und Goldene Diplome und Staatsexamen verliehen. Für viele ist der Tag eine emotionale Reise in die Vergangenheit, ein Wiedersehen mit Kommilitoninnen und Kommilitonen und ein Blick auf die beeindruckende Entwicklung der Universität.
Ein Blick, den der Alumni-Kalender 2026 einfängt: Er lädt auf eine Reise durch die Zeit ein – mit zwölf eindrucksvollen Motiven, die zeigen, wie sehr sich die Universität verändert hat. Jedes Kalenderblatt ist ein Vergleich zwischen historischen Aufnahmen und den heutigen Ansichten derselben Orte. So werden Wandel und Kontinuität gleichermaßen sichtbar – und viele Ehemalige entdecken Gebäude wieder, in denen sie einst gelernt, gearbeitet oder gefeiert haben.
„Viele Absolventinnen und Absolventen haben uns erzählt, dass sie Magdeburg und die Universität in guter Erinnerung behalten. Mit dem Kalender wollen wir genau dieses Gefühl sichtbar machen“, sagt Nance Kaemmerer vom Alumni-Team.
Die Bilder stammen aus dem Archiv der Uni Magdeburg und von Ehemaligen. Der Erlös vom Verkauf des Kalenders geht komplett als Spende in Deutschlandstipendien ein, mit denen engagierte Studierende gefördert werden. Fritz Timpe freut sich, dass Ehemalige der Universität damit den Studierenden von heute helfen können: „Auch für uns waren Stipendien damals unglaublich wichtig.“
TEXT: Nance Kaemmerer, Katrin Burgmann
Akademischer Festakt 2025
Der Akademische Festakt ist die höchste akademische Feierlichkeit unserer Universität und findet anlässlich des Geburtstages Otto von Guerickes jedes Jahr im November in der Johanniskirche statt. Im Beisein von Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Prof. Armin Willingmann, weiterer Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft sowie zahlreicher Universitätsangehöriger wurden auch in diesem Jahr wieder herausragende Leistungen in Forschung und Lehre gewürdigt.
Minister Willingmann gratulierte: „Die Verleihung der Forschungs-, Promotions- und Dissertationspreise zeigt, dass in Magdeburg viele kluge Köpfe in die Fußstapfen des Uni-Namenspatrons treten, um Fortschritt voranzubringen. Ihnen allen meinen herzlichen Glückwunsch!“ Mit Blick auf aktuelle politische Angriffe auf Hochschulen in den USA und anderen Ländern betonte er zudem die große Bedeutung der Wissenschaftsfreiheit: „Sachsen-Anhalt muss ein freier, weltoffener und damit attraktiver Wissenschaftsstandort bleiben. Hierfür gilt es, die Freiheit der Forschung zu verteidigen und weiter auf grenzüberschreitenden Austausch, offenen Diskurs und Pluralismus zu setzen. Auch damit wollen wir weiterhin internationale Forschende wie Studierende für Sachsen-Anhalt begeistern.“
Fest verankert in der nationalen und internationalen Forschungslandschaft
„Der Akademische Festakt ist ein sichtbares Zeichen für das, was wir gemeinsam erreicht haben und für das, was wir noch vorhaben“, ergänzte der Rektor der Universität, Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan. „Auch, wenn die Enttäuschung über die Absage des Exzellenzantrages groß ist, hat sich unsere Universität in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt: als Ort exzellenter Forschung, als moderne Ausbildungsstätte und als Impulsgeber für die Gesellschaft und die Region. Wir sind fest verankert in der nationalen und internationalen Forschungslandschaft, sind leistungsstark, sichtbar und verlässlich.“
Den Festvortrag hielt in diesem Jahr Prof. Gabriele Gramelsberger, Wissenschaftstheoretikerin und Technikphilosophin an der RWTH Aachen. Unter dem Titel „Den Wandel des Wissens denken - Philosophie im digitalen Zeitalter“ referierte sie darüber, wie Künstliche Intelligenz Forschungsprozesse beschleunigt, wissenschaftliches Arbeiten verändert und gleichzeitig neue ethische und gesellschaftliche Fragen aufwirft.
Grußbotschaft von EU GREEN
Während der feierlichen Veranstaltung wandte sich die Rektorin der EU-GREEN-Partneruniversität Atlantic Technological University in Irland, Dr. Orla Flynn, mit einer Video-Grußbotschaft an die Gäste der Festveranstaltung. Sie würdigte die Bedeutung der EU-GREEN-Allianz, die erfolgreiche Zusammenarbeit innerhalb dieses Netzwerks sowie das gemeinsame Engagement für einen nachhaltigen und zukunftsorientierten europäischen Campus. Zudem betonte sie, wie wertvoll der internationale Austausch für die Weiterentwicklung der Universitäten wäre und verwies darauf, wie viel zu erreichen sei, wenn Ideen und Gestaltungswillen über Grenzen hinweg gebündelt würden. Zum Video
Musikalisch wurde der Abend gestaltet von den musikalischen Ensembles der Universität.
Im Gedenken an den Namenspatron der Universität, Otto von Guericke, fand eine Zusammenkunft an seiner Grablege in der Johanniskirche mit Vertretern der Otto-von-Guericke-Gesellschaft e.V., der Stiftung und der Universität Magdeburg statt.
Text: INES PERL
Fotos: JANA DÜNNHAUPT
Experimentelle Weihnachtsvorlesungen in der Chemie und Physik
Wenn Reagenzgläser funkeln, Flammen farbig lodern und Magnete scheinbar mühelos schweben, dann ist an der Uni Vorweihnachtszeit – und damit Zeit für die beliebten experimentellen Weihnachtsvorlesungen. Auch in diesem Jahr öffnet die Universität ihre Hörsaaltüren für alle, die Naturwissenschaften einmal anders erleben möchten: nah, anschaulich und mit vielen Überraschungseffekten.
Den Auftakt macht am 10. Dezember um 17 Uhr die chemische Weihnachtsvorlesung im Hörsaal 5, Gebäude 16. Studierende verschiedener Jahrgänge gestalten gemeinsam mit dem Jungen Chemie Forum (JCF) eine Show, in der chemische Reaktionen eindrucksvoll in Szene gesetzt werden. Besucherinnen und Besucher können den Experimenten nicht nur zuschauen, sondern auch Fragen stellen und so tiefer in die Welt der Chemie eintauchen. Begleitend werden Glühwein, Punsch und Plätzchen auf Spendenbasis angeboten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Naturgesetzte in unserem Alltag
Eine Woche später übernimmt die Physik. Die weihnachtliche Experimentalvorlesung des Instituts für Physik findet ebenfalls in Hörsaal 5 statt – am 18. Dezember um 11 Uhr. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 bis 12, doch willkommen sind Gäste jeden Alters. Die Physikerinnen und Physiker zeigen Experimente aus Mechanik, Elektrizität und Optik und erklären, wie Naturgesetze in unserem Alltag wirken. Aufgrund des großen Interesses im vergangenen Jahr ist für die Physikvorlesung eine Voranmeldung an notwendig.
Mit ihren Vorlesungen möchten die beteiligten Institute zeigen, wie spannend Naturwissenschaften sein können – und wie leicht sich Funken der Begeisterung entzünden lassen. Zwischen farbigen Flammen, leuchtenden Versuchsanordnungen und überraschenden Effekten entsteht eine Mischung aus Wissenschaft, Unterhaltung und vorweihnachtlicher Stimmung. Erleben Sie die Experimente live und lassen Sie sich mitreißen von Wissenschaft, die staunen lässt und in der Weihnachtszeit besonders glänzt.
TEXT: Katharina Vorwerk
Den Übergang von der Schule zum Studium bestmöglich gestalten
Prof. Dr. Stefanie Rach von der Fakultät für Mathematik wurde im November 2025 zur neuen Sprecherin der Übergangskommission Mathematik gewählt. Diese Kommission beschäftigt sich mit dem Übergang von der Schule zur Hochschule, der für viele Studierende in einem Studiengang der Bereiche Wirtschaft, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik eine große Herausforderung darstellt.
Diese Schwierigkeiten in Mathematik-Lehrveranstaltungen führen häufig zu Motivationsverlusten und Leistungsproblemen. An vielen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften werden daher Maßnahmen entwickelt, um Studierende bestmöglich zu unterstützen. So bietet auch unsere Uni eine umfangreiche Auswahl an Vorkursen an: beispielsweise die Fakultät für Mathematik den Grundkurs „Fit fürs Studium“ für alle Fächer, die mathematisches Grundwissen erfordern, oder für alle, die etwas mit Wirtschaft studieren, den Kurs „Fit für Mathematische Methoden“.
Expertisen gebündelt
Die drei Fachgesellschaften Deutsche Mathematiker-Vereinigung DMV, Gesellschaft für Didaktik der Mathematik GDM und Verband zur Förderung des MINT-Unterrichts MNU haben diese Herausforderungen beim Übergang von der Schule zum Studium erkannt und vor knapp 15 Jahren die Mathematik-Kommission Schule-Hochschule gegründet, um Expertisen zu bündeln. Die drei Fachgesellschaften entsenden jeweils drei Personen in diese Kommission. Diese Personen aus der Mathematik, der Mathematikdidaktik und der Schulpraxis diskutieren Fragen und Antworten zum Übergang Schule – Hochschule, führen Fachtagungen durch und entwickeln Positionspapiere, die anschließend im Namen der drei Fachgesellschaften veröffentlicht werden.
Zum Praktikum nach Malta - Ein Reisebericht

(Foto: Bruno Kaufmann)
Bruno Kaufmann und Max Schäfer sind Auszubildende zum Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste in der Universitätsbibliothek Magdeburg (UB) im 3. Lehrjahr. Sie machten sich auf nach Malta, um dort das Bibliothekswesen kennenzulernen. Untergebracht in einer internationalen Wohngemeinschaft arbeiteten die beiden im Metropolitan Chapter Mdina, einer Kathedrale mit Archiv und Spezialbibliothek. Sie besuchten zudem die Nationalbibliothek, die Central Public Library sowie die Universitätsbibliothek Malta. Die Beiden kehrten mit wertvollen fachlichen und persönlichen Erfahrungen zurück. Lesen Sie eine sehr persönliche Reisebeschreibung von Bruno Kaufmann.
Wie alles begann
Nur durch eine Empfehlung von Jakob Reuter, einem damaligen Azubi, heute Mitarbeitender an der UB, kommen wir überhaupt erst auf diese Idee. Er hilft uns auch bei der Kontaktaufnahme zum Verein „3K AKTIV e.V.“ , der das Ganze mit organisiert und ermöglicht. Weiter geht es damit, alle Einverständnisse von den Ausbilderinnen (Anne-Kathrin Brehme und Janice Strickrodt), der Leitung der UB (Linda Thomas) und der Berufsschulleitung (Frau Lederer) einzuholen.
Gesagt, getan. Mit ausgefüllten Dokumenten folgt ein Bewerbungsschreiben über das Portal „Europaktiv.eu“ im Februar 2025, womit dann Einrichtungen und Organisationen in den gewünschten Ländern kontaktiert werden. Unsere Auswahl fällt, nach einem kurzen Hin und Her, auf Irland, jedoch ändert sich dies. Einen Monat vor der Abreise (Ende August 2025) kommt die E-Mail von unserer Kontaktperson bei „3K-Aktiv e.V.“, in der diese mitteilt, dass es mit Irland vor Mitte 2026 nichts werden würde. Da dies zu nah an unserem Ausbildungsende ist, wählen wir Malta als Alternative.
Dann geht alles ganz schnell, Schlag auf Schlag: von einem Interview, warum wir ein Auslandspraktikum machen wollen, über das Ausfüllen der Erklärung zu Fördermitteln (für bspw. Flugtickets, Unterkunft, Versicherungen) bis hin zu Belehrungen (da es unser erster Flug und die erste Auslandsreise ist). Flugtickets werden gekauft, Flugbestätigungen an den organisierenden Verein geschickt, Auslandsversicherungen geklärt und Empfehlungen eingeholt, was auf der Insel auf jeden Fall nicht verpasst werden darf- von Restaurants bis hin zu einzelnen Gebäuden und Plätzen ist alles dabei.
Vier Wochen vor Abflug
Wir wissen immer noch nicht, wo wir arbeiten und wo wir untergebracht sind auf Malta. Diese Eckdaten brauchen wir jedoch für eine A1-Bescheinigung. Zwei Wochen später, und somit zwei Wochen vor Abflug, kommt die erlösende E-Mail mit allen Informationen, die wir umgehend an Ines Busse (Dezernat Personalwesen) schicken.
Einen Tag vor Abflug
Max und ich sitzen nebeneinander in der Berufsschule und so langsam setzt das Bewusstsein ein, dass wir in wenigen Stunden in der Luft und weit weg von Deutschland sein werden. Gegen 18:30 Uhr zu Hause angekommen, nach der Berufsschule in Thüringen, und schon k.o., geht das Kofferpacken erst richtig los. Da es der erste Flug für uns sein wird, wird einfach reingestopft, was notwendig ist. Da 23 kg Platz im Koffer eine Menge sind, wird an Kleidung nicht gespart. Dazu kommt noch ein 8 kg Gepäckstück und Handgepäck von rund 1,5 kg.
Ready to take off
Um 4:00 Uhr morgens geht es zum Hauptbahnhof und von dort mit dem RE1 in Richtung Potsdam, von wo wir zum Flughafen „BER“ gelangen. Die Wartezeit von zwei Stunden wird durch staunendes Umschauen auf dem Flughafen überbrückt, bevor es zum Check-in und zur Sicherheitskontrolle geht. Ohne Komplikationen finden wir unser Gate und haben noch ein paar Minuten übrig, um nervös zu sein, bevor es zum Boarding geht. Max erhält beruhigende Worte von mir und dann öffnet sich das Gate. Das erste Mal ein Flugzeug von innen sehen und innerhalb von einer Stunde schon in Warschau - unserem Zwischenstopp - landen. Wahnsinn! Am „International Airport“ in Malta angekommen, ereilt Max eine neue Welle der Nervosität: Ganze 40 Minuten warten wir auf das Gepäck. Schaffen wir es pünktlich zu unserem Abholauto? Was, wenn unsere Koffer gar nicht ankommen? Zum Glück läuft alles glatt, und wir erreichen kurze Zeit später unsere WG für die nächsten vier Wochen. Schnell noch bei Lidl einkaufen (ja, den gibt’s auch auf Malta!) und dann ab ins Bett, damit wir den nächsten Tag gut ausgeruht starten können.
Der erste Tag auf Malta
Wir haben ausgiebig Zeit, die Umgebung zu erkunden und den Abend entspannt bei einem fantastischen Essen in der „Kantina“ in der Hauptstadt Valletta ausklingen zu lassen. Bei Kerzenschein dämmert uns beiden: wir sind auf Malta angekommen und bereit für einen Monat voller Abenteuer.

In der Altstadt von Maltas Hauptstadt Valletta. (Foto: Bruno Kaufmann)
Der darauffolgende Tag
Wir treffen uns mit der Organisation „Easy Job Bridge“, welche Auszubildende - wie uns - mit lokalen Partnern und Unternehmen vernetzen, um so branchenspezifische Erfahrungen sammeln zu können. Auch unsere Unterkunft wird über die Organisation zur Verfügung gestellt. Wir erhalten eine kurze Belehrung und Einweisung für das Auslandspraktikum und entrichten eine WG-Kaution. Zu unserer siebenköpfigen Wohngemeinschaft zählen, neben uns, jeweils zwei weitere Personen aus Deutschland und der Schweiz und eine Person aus Finnland. Gemeinsam brechen wir zu einer Bus-Sightseeingtour auf, um die jeweiligen Praktikumseinrichtungen kennenzulernen und einen groben Eindruck von Malta zu erhalten. Die Arbeitsstätte von Max und mir ist für die kommenden Wochen das „Metropolitan Chapter Mdina“ - eine Kathedrale mit zwei imposanten Museen und einer dazugehörigen Bibliothek mit Archiv. Zum ersten Mal treffen wir Danica, unsere Ansprechpartnerin und neue Kollegin, bevor wir den zweiten Abend in der neuen WG-Runde ausklingen lassen.
Das Praktikum
Ähnlich wie Zuhause beginnt unser Arbeitstag um 8:00 Uhr. Wir starten mit einer Führung durch die Archivbestände der Kathedrale und der Spezialbibliothek, eine Etage weiter oben. Spannend ist unser darauffolgender Austausch zu der deutschen und maltesischen Kultur. Die maltesische Küche ähnelt der italienischen, hat aber arabische Einflüsse (z. B. Datteln, Gewürze). Wir sind gerade zur richtigen Zeit vor Ort, denn jedes Dorf feiert seine „Festa“ zu Ehren des Schutzheiligen und es gibt jede Menge Essen, Feuerwerk und Musik. Nach unserem ausgiebigen Kennenlernen folgt die Einführung in unsere Tätigkeit für die Zeit unserer Mitarbeit. Wir sind von nun an für die Katalogisierung der Architektur- und Künstlerbestände der Bibliothek verantwortlich.

In der Metropolitan Chapter Mdina - dem Arbeitsplatz für Bruno Kaufmann und Max Schäfer für die Zeit ihres Praktikums (Foto: Bruno Kaumann)
Auch die Option der Digitalisierung war möglich (die bisher nur sporadisch von der Bibliothek verfolgt worden ist), sodass wir die Bücher in einen Online-Katalog eingetragen oder bereits vorhandene Datensätze korrigiert haben. Die hier benutze Software ist „Librarika“ (ILS), mit der man Bücher aufnehmen kann und Ausleihen vermerken kann, um so Statistiken über den Bestand und das Ausleihverhalten zu gewinnen. Zuhause an der UB Magdeburg nutzen wir ein anderes System (LBS) und zusätzlich zahlreiche (von unserer IT) maßgeschneiderte interne Tools.
Schwerpunkte der Archivbestände sind vor allem Noten und Accountbücher (Schriften, die Priester geführt haben), in denen festgehalten ist, wer in welcher Straße mit welcher Hausnummer wohnt, wie viele Personen welchen Alters und Geschlechts in den Häusern wohnen, sowie Randnotizen.

Schwerpunkte der Archivbestände sind u.a. von Pristern geführte Accountbücher. (Foto: Bruno Kaufmann)
Der Digitalisierungsprozess
Das Digitalisieren verläuft mit einer befestigten Kamera, bei der jede Seite einzeln aufgenommen und in die Cloud hochgeladen wird. Das System entstand in Kooperation mit der „Hill Museum & Manuscript Library“. Hier ein Beispiel. Der gesamte Digitalisierungsprozess wird stark betont und möchte vorangetrieben werden, ist aber durch fehlende finanzielle Mittel und ungenügend Personal ausgebremst. Das Archiv hat damit zu kämpfen, die Digitalisierung zu verfolgen und parallel dem Alltagsgeschäft nachkommen zu können, obwohl die klimatischen Bedingungen der Insel zur Digitalisierung drängen. Die Archive und andere historische Einrichtungen sind durch Regierungsbeschlüsse in ältere Gebäude eingezogen, deren Räumlichkeiten nicht auf Archivgüter ausgelegt sind. Nur durch eine baldige Digitalisierung können sie langfristig erhalten und zugänglich gemacht werden. Und nichts ist den Malteser*innen wichtiger als ihre Geschichte und Kultur.
Weitere Entdeckungen
Glücklicherweise ist unsere Arbeitszeit immer so gelegt, dass wir den späten Nachmittag und Abend stets für eigene Erkundungen nutzen können. Unsere Kollegin Danica unterstützt uns dabei, die Nationalbibliothek Maltas zu besuchen, die „Bibljoteka Nazzjonali ta’ Malta“. Hier treffen wir auf Jeremy, der uns durch eine umfassende Führung Einblicke in die maltesische Geschichte und die historischen Bestände dieser eindrucksvollen Bibliothek gewährt.

Eindrucksvoll, die Nationalbibliothek Maltas. (Foto: Bruno Kaufmann)
In der Woche darauf werden wir mit der „Central Public Library“ in Floriana, der Öffentlichen Bibliothek auf Malta, vertraut gemacht, zu der rund 56 Teilbibliotheken gehören. Wir werden hier nicht nur durch die Regale geführt, sondern dürfen hinter die Kulissen schauen. Angefangen bei den Mitarbeitenden der einzelnen Abteilungen wie bspw. den Serviceteams oder den Kolleg*innen der Kinder- und Jugendliteratur sowie der beeindruckenden Sektion „Talking Books“. Dies ist ein Angebot für blinde Menschen, um in den Genuss von Büchern zu kommen, mithilfe von selbstproduzierten Hörbüchern. Sobald es einen Leserwunsch gibt, wird nach einem/ einer Sprecher*in gesucht, der/ die das Buch Kapitel für Kapitel einspricht. Sobald eine freiwillige Person gefunden ist, wird im Laufe von vier bis 24 Wochen ein eigenes Hörbuch fertiggestellt. So konnten bisher etwa 13.000 Bücher auf Kassette produziert und ausgeliehen werden, von denen schon 5.000 in MP3 konvertiert sind.

Die „Central Public Library“ in Floriana, die Öffentlichen Bibliothek auf Malta. (Foto: Bruno Kaufmann)
Natürlich durfte bei unserer Erkundungstour auch die Universitätsbibliothek Malta nicht fehlen. Eine ausführliche Rundtour, angefangen bei der Geschichte der Universität bis hin zu den einzelnen Bereichen und des Open-Access Teams, offenbarte uns zahlreiche neue Eindrücke und die Erkenntnis, was wir in unserer „Heimat-Universitätsbibliothek“ zu schätzen wissen dürfen.
Die Heimat ruft
Unsere Reise endet dort, wo sie begonnen hat. Am letzten Abend vor unserer Rückkehr lassen wir die ganzen neu gesammelten Abenteuer, Eindrücke und Erfahrungen in der Dämmerung Vallettas ausklingen. Am Sonntagmorgen geht alles ganz schnell, mit gepackten Koffern an der Straße wartend, setzen gleichzeitig Freude und Trauer ein. Es geht wieder zurück nach Hause, aber es ist auch schade, dass wir gehen. Was wir alles gesehen, geschmeckt und vor allem erlebt haben, wird immer ein Teil von uns bleiben. Am Airport in Luqa (Malta) gehen wir nochmal einmal alles durch und verfassen einen letzten Abschiedsgruß an die Betreuer*innen aus unserem Praktikumsbetrieb.
Liebe Grüße aus der UB, Ihr Bruno Kaufmann