Wie im richtigen Berufsleben

30.03.1999 -

Studentisches Ingenieur- und Rationalisierungsbüro in Planung

Grundlegende Voraussetzungen für die Entwicklung von Berufsfähigkeit in modernen Betrieben und Behörden würden im Studium nicht ausreichend Berücksichtigung finden. Zu dieser Schlußfolgerung kommt das HIS Hochschul-Informations-System Hannover aufgrund einer Befragung von Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Demnach müßten insbesondere bei der Bereitstellung verschiedener Lehr- und Lernformen an den Hochschulen neue Gewichte gesetzt werden. Objekt- und teamorientiertes Lernen, Planspiele, mehr mündliche Beteiligung und eine grundlegende Orientierung des Studiums auf eine engere Verbindung von theoretischen und praktischen Studienanteilen sollten angestrebt werden.

Zentrale Anlaufstelle

Zahlreiche Ansätze, diesen Anforderungen zu entsprechen, werden an der Magdeburger Universität bereits verwirklicht. Da war beispielsweise die begleitende Übung zur Vorlesung Integrierte Produktentwicklung. Für ein vorhandenes Profi-Werkzeug mußten zusätzliche Funktionalitäten entwickelt werden. Die Studierenden haben alle Schritte von der ersten Produktidee bis hin zum Erstellen eines Prototypen gemeinsam bearbeitet. Im Rahmen einer Exkursion zur auftraggebenden Firma präsentierten die Übungsteilnehmer dann die Ergebnisse ihrer Arbeit auch selbst.

Besonders für kleine und mittlere Unternehmen kann eine derartige Zusammenarbeit mit Studierenden große Vorteile bringen. Um ihnen eine zentrale Anlaufstelle anbieten zu können, entstand die Idee eines "Studentischen Ingenieur- und Rationalisierungsbüros". Die Wirtschaftspartner finden in den angehenden Ingenieuren kompetente, kreative und hochmotivierte Partner. Die Studierenden andererseits können in diesem Büro an Aufgaben aus Industrie, Handwerk oder Verwaltung eigenständig und eigenverantwortlich im Team arbeiten. Die jungen Leute erwerben soziale Kompetenzen, indem sie Verantwortung für Entscheidungen übernehmen, andere anleiten, Veränderungsprozesse in den Auftragsbetrieben einleiten und gestalten. Die Arbeit im Büro kann eine gute Vorbereitung auf eine selbständige Arbeit nach dem Studium sein, z.B. für Existenzgründer. Nach dem Prinzip learning by doing lernen die Studierenden bereits an der Uni das Organisieren der eigenen Arbeit und das Zusammenwirken im Team. Der Einsatz modernster Rechen- und Kommunikationstechnik sowie die Anwendung neuester Arbeitstechniken zur Ideenfindung und -umsetzung sind wesentliche Voraussetzungen zur Erfüllung der Kundenwünsche.

Sponsoren gesucht

Diese Vorstellungen finden sich vorläufig erst auf dem Papier, denn für eine Anschubfinanzierung, mit der Büroeinrichtung, Rechen- und Kommunikationstechnik und dergleichen angeschafft werden können, müssen noch Partner und Sponsoren gefunden werden. Nach einer Anlaufphase von etwa drei Jahren soll sich das Modellprojekt "Studentisches Ingenieur- und Rationalisierungsbüro" durch ein pfiffiges Management selbst tragen. Ideen und Erfahrungen können die studentischen Unternehmer mit ihren Kommilitonen aus den beteiligten Fakultäten für Maschinenbau, Elektrotechnik, Verfahrens- und Systemtechnik, Informatik und Wirtschaftswissenschaft interdisziplinär entwickeln und austauschen. Möglichkeiten dazu sowie kompetente Anleitung und Hilfe bietet den Ingenieurstudenten u.a. ein Seminar zur Unternehmensgründung an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Es soll Studierende aller Fachrichtungen für dieses Thema sensibilisieren und ihnen die alternative Beschäftigungsform der Existenzgründung einmal genauer vor Augen führen.

Was nun konkret an Aufgaben auf die "Modellunternehmer" zukommt, hängt im wesentlichen von den Anforderungen der Kunden ab und läßt sich heute nur schwer bestimmen. Die angehenden Ingenieure müssen kurzfristig reagieren können, flexibel sein und unkonventionelle Lösungen für konstruktive, technologische und organisatorische Aufgabenstellungen anbieten können. Eben wie im "richtigen Berufsleben". Aufgaben des Qualitätsmanagements in kleinen und mittleren Unternehmen oder in Dienstleistungseinrichtungen, im Bereich des betrieblichen Umweltmanagements könnten gefragt sein oder die rationelle Einrichtung von Arbeitsplätzen in ausgewählten Bereichen und Lösungsvorschläge zur fertigungs- und recyclinggerechten Konstruktion von Produkten gewünscht werden.

Ein gutes Training

"Das Studentische Ingenieur- und Rationalisierungsbüro bietet eine prima Möglichkeit, im Studium erworbenes fachliches Spezialwissen anzuwenden und dabei fachübergreifendes Denken sowie Kommunikations- und Teamfähigkeit zu trainieren, also Erfahrungen zu sammeln, auf die in der modernen Wirtschaft großer Wert gelegt wird", erwartet Prof. Dr. Wolfgang Poppy vom Institut für Förder- und Baumaschinentechnik, Stahlbau, Logistik und einer der Initiatoren des Modellprojektes. "Deshalb ist es besonders wichtig, interessierte Studenten in die bereits angelaufenen Vorbereitungen einzubeziehen und erste Aktivitäten des Büros kurzfristig zu starten."


Autor:in Ines Perl

Letzte Änderung: 30.03.1999 -
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