Kirchraum mit Wohlklang gefüllt

15.11.1999 -

Universitätschor gab Auftakt zu neuer Reihe Universitätskonzerte

Ein Eröffnungskonzert nach Maß als Auftakt für die neue Reihe Universitätskonzerte. Bis auf den letzten Platz füllte es Mitte Oktober 99 die Johanniskirche, Magdeburgs neues Kunstzentrum. Zwischen Elbe, Rathaus und den Verkaufsmeilen entstand die Johanniskirche aus Ruinen völlig neu, eine bautechnische Meisterleistung, die Erhaltenswertes in modernem Konzerthallendesign vereint.

"I. Universitätskonzert" stand auf dem Programm, eröffnet durch den Rektor der Universität, Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann. In seiner Begrüßungsrede erinnerte er an die historische Rolle und Bedeutung der Johanniskirche, als erste Bürgerkirche für die Stadt Magdeburg. Sie wurde Symbol und sichtbares Zeichen für den Lebenswillen einer Stadt: ihr zweimaliger Wiederaufbau nach den totalen Zerstörungen 1631 und 1945. Nicht unerwähnt ließ er Otto von Guerickes Grabstelle unter dem Kirchboden.

Die Kirche ist neue Konzerthalle mit verpflichtendem Erbe, das der Kunst in Magdeburg einen neuen Raum bietet. Die Universitätskonzerte wollen diese Tradition aufnehmen, neu beleben. Prof. Dr. Pollmann dankte allen Sängerinnen und Sängern des Universitätschores für ihr unermüdliches Engagement. Künftig werde der Chor nicht ohne Unterstützung bleiben.

Der Universitätschor hob seine neue Konzertreihe aus der Taufe mit Anton Bruckners feierlich bewegender Messe in f-Moll. Es musizierte das jugendfrische Residenzorchester Meinigen. Ein Solistenensemble setzte stimmliche Glanzlichter: Sopranistin Silvia Weiss (Berlin), Altistin Maria Petrasowska (Halle), Tenor Mario Stickert (Weimar) und Bariton Mario Hoff (Weimar). Doch ausladende weiträumige Chorsätze beherrschen Bruckners große Chorkomposition. Der Universitätschor sang sie sicher und füllte mit differenziertem Wohlklang den Kirchraum. Zu Höhepunkten des Konzerts gestaltete KMD Günther Hoff das Glaubenstärke verströmende Credo sowie das erwartungsvoll schwingende Bendiktus und überzeugte einmal mehr mit seiner an der Textaussage orientierten musikalischen Interpretation.

In Magdeburgs Konzertleben im vergangenen Jahrhundert spielte die Johanniskirche bei Erst- und Uraufführungen großer Werke eine dominierende Rolle, betonte Professor Pollmann in seinen Eröffnungsworten und erwähnte eine Chorsängerin, die schon 1942, als in der Johanniskirche Bruckners f-Moll-Messe zum ersten Mal aufgeführt wurde, mitgesungen hatte. Sie stand jetzt wieder im Chor - Gisela Tempel. Nach dem Konzert empfing sie einen Extrastrauß und mit allen Ausführenden den herzlichen Applaus.

Das Konzert kostete zwar keinen Eintritt, war aber auch nicht ohne Kosten. An den Ausgängen wurde gesammelt, und volle Körbe bestätigten den Dank der zahlreichen Besucher. Auch das könnte gute Tradition werden.


Autor:in Dr. Wolf-Dieter Wuttke

Letzte Änderung: 15.11.1999 -
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