Auf den Anfang kommt es an!
6. Magdeburger Tag der Erziehung
Neurobiologische und entwicklungsphysiologische Aspekte der frühkindlichen Bindung - unter diesen Titel hatte das Institut für Biologie an der Fakultät für Naturwissenschaften den "6. Magdeburger Tag der Erziehung" Mitte März 2009 gestellt. Der Termin war natürlich nicht ohne Grund gewählt: Die mittlerweile zur Tradition gewordene Veranstaltung war Teil der weltweit stattfindenden "Brain Awareness Week", einer internationalen Initiative, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Ergebnisse der Gehirnforschung lenken möchte. Neben der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft e.V. konnte auch in diesem Jahr wieder die DANA - Alliance for Brain Initiatives, Initiatorin der "Brain Awareness Week", als Förderer der Veranstaltung gewonnen werden. Die Teilnahme von 300 Lehrern aller Schulformen und Erziehern aus Kindergärten und Kinderkrippen sowie einer Reihe von interessierten Bürgern, die teilweise auch aus den angrenzenden Bundesländern angereist waren, zeigt, dass in diesem Jahr die Themenwahl und die eingeladenen Referenten auf eine außerordentlich starke Resonanz stießen.
Mutter-Kind-Beziehung
Dr. Fabienne Becker-Stoll, Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München (www.ifp-bayern.de), eröffnete die Veranstaltung mit ihrem Beitrag "Von der Mutter-Kind-Bindung zur Erzieherin-Kind-Beziehung". Unter dem Leitmotiv "Auf den Anfang kommt es an!" erläuterte sie die Bedeutung der ersten Lebensphase für die Entstehung einer Mutter(Eltern)-Kind-Bindung, in der auch der Vater seinen unbestreitbaren und wichtigen Platz hat. Eine solche stabile Bindung ist dann die Basis, von der aus das Kind seine Umwelt exploriert und in ihr lernt. Unter diesen Voraussetzungen ist die außerfamiliäre Betreuung in Kinderkrippen und Kindergärten keine "Gefahr" für die Familie, sondern eine Chance für die weitere Entwicklung des Kindes. Mit Empfehlungen zu Betreuungsrelationen, wie sie aus empirischer Forschung als sinnvoll erachtet werden, schloss dieser sehr informative Vortrag.
Mindestens genauso interessant ging es dann auch weiter - Dr. Jörg Bock, Forschergruppenleiter am Institut für Biologie der Universität Magdeburg (www.uni-magdeburg.de/bio/ibio.html), sprach über "Frühkindliche Bindungs- und Trennungserlebnisse und ihre Auswirkungen auf die Hirnentwicklung". Sowohl die positive Erfahrung bei der Entstehung einer Bindung, als auch die durch Trennung negativ beeinflusste Bindung zwischen Kind und Eltern hinterläßt "Spuren" im Gehirn und prägt maßgeblich die emotionalen und kognitiven Fähigkeiten des betroffenen Individuums. Den Schlusspunkt der Veranstaltung setzte Frank Natho, Leiter des Instituts für Fortbildung, Supervision und Familientherapie Halberstadt (www.fst-halberstadt.de), mit seinem Beitrag "Bindung und Trauer: Wie Kinder Trennung von der Familie erleben und eine methodische Anregung zur Trauerarbeit". Hier interessierte sich das Auditorium natürlich besonders für die praktischen Anleitungen zur gelingenden Arbeit mit Kindern in schwierigen Lebensphasen. Die Darstellung der von ihm und seinen Mitarbeitern entwickelten Methoden wie der Skalierungsscheibe oder der Nutzung von Tierfiguren zur Darstellung der individuellen emotionalen Situation von Kindern und Jugendlichen ist ganz sicher als Anregung zur intensiveren Beschäftigung mit dieser Problematik aufgenommen worden.
Insgesamt also eine sehr gelungene Veranstaltung, so die Einschätzung der Organisatoren. Das große Interesse der Teilnehmer und die engagierte Diskussion der Beiträge haben sie in dem Vorhaben bestärkt, auch für das Jahr 2010 den dann "7. Magdeburger Tag der Erziehung" zu initiieren.