Wann wird aus einer Universität ein Ort des Ankommens?
Ein Nachmittag, der zeigte, wie Integration gelingen kann – durch Zuhören, Austausch und die Bereitschaft, einander willkommen zu heißen
Vielleicht nicht dann, wenn das erste Semester beginnt und auch nicht mit der ersten bestandenen Prüfung. Vielleicht entsteht dieses Gefühl vielmehr in den kleinen Momenten dazwischen, wenn aus einer Frage ein Gespräch wird, aus einer Begegnung ein neues Netzwerk und aus einem fremden Ort langsam ein Stück Zuhause.
Genau solche Momente standen im Mittelpunkt des Meet-ups „Shaping the Year ahead together“ der Initiative „Schwimm Kultur“ des Studentischen Gesundheitsmanagements (SGM), das kürzlich in der Universitätsbibliothek stattfand. 25 internationale Studierende kamen mit Vertreter*innen studentischer Gremien und engagierten Hochschulangehörigen zusammenkamen, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Meet-ups werden im Rahmen der Initiative von Maneesh Murukan, studentische Aushilfskraft am Projekt, organisiert und finden in einem regelmäßigen Turnus statt.
Im Fokus standen Fragen, die viele Studierende insbesondere zu Beginn ihres Studiums beschäftigen: Welche Unterstützungsangebote gibt es an der Universität? Wie funktioniert studentische Mitbestimmung? Welche Möglichkeiten bestehen, Deutsch zu lernen? Und welche Wege gibt es, sich aktiv in das Hochschulleben einzubringen?
Doch der eigentliche Wert des Nachmittags lag nicht allein in den Antworten. Er lag in den Begegnungen. Erfahrungen wurden geteilt, Herausforderungen offen angesprochen und Ideen entwickelt, wie das Studium für internationale Studierende noch zugänglicher gestaltet werden kann. Es wurde zugehört, nachgefragt und gemeinsam weitergedacht. Gerade solche Gespräche schaffen Orientierung - nicht, weil sie jede Unsicherheit beseitigen, sondern weil sie zeigen, dass niemand mit seinen Fragen allein ist.
Die Initiative „Schwimm Kultur“ verbindet Schwimmangebote für internationale Studierende mit Formaten, die den Austausch und das gegenseitige Kennenlernen fördern. Hierbei arbeiten Studentisches Gesundheitsmanagement (SGM) und Sportzentrum zusammen – das Projekt „Schwimm Kultur“ ist seit Oktober letzten Jahres fester Bestandteil der Struktur. Dahinter steht die Überzeugung der beiden studentischen Hilfskräfte Michelle Dölling und Maneesh Murukan, dass Integration nicht allein durch Informationen gelingt. Sie wächst dort, wo Menschen einander begegnen, Vertrauen entsteht und Gemeinschaft erlebbar wird.
Die Bibliothek als Raum für Dialog und Begegnung
Dass dieses Treffen in der Universitätsbibliothek stattfand, erscheint fast selbstverständlich. Bibliotheken sind längst mehr als Orte, an denen Wissen gesammelt wird. Sie sind Orte, an denen Wissen geteilt wird. Orte, an denen konzentriertes Arbeiten ebenso selbstverständlich ist wie gemeinsames Lernen, kulturelle Veranstaltungen oder der Austausch zwischen Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten. Während der Bibliotheksalltag ungestört weiterging, entstand parallel ein Raum für Dialog und damit für genau jene Begegnungen, die das Leben an unserer Universität bereichern.
Vielleicht ist das eine der schönsten Aufgaben einer Universität, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Menschen miteinander zu verbinden. Denn eine Hochschule wird nicht allein durch ihre Gebäude oder ihre Studiengänge geprägt. Sie wird vor allem durch die Menschen geprägt, die sich dort begegnen.
TEXT: Carina Kröber