Im Osten wenig Europabewußtsein

15.11.1999 -

Staatsminister Rolf Schwanitz Gastredner auf Magdeburg Meeting

Bereits zu einer Tradition geworden, hatte Mitte Oktober 99 die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft auf dem Magdeburg Meeting nun zum 3. Mal zur Diskussion der wirtschaftspolitischen Lage in den neuen Ländern eingeladen. Zu den Themenschwerpunkten Die ostdeutsche Wirtschaft vor der Jahrtausendwende, Agrarwirtschaft in Ostdeutschland: Musterknabe der Anpassung? und Die neuen Länder im neuen Europa hielten renommierte Wirtschaftsfachleute aus ganz Deutschland Vorträge und führten die Tagungsteilnehmer einen angeregten Meinungsaustausch. Die Wirtschaftsexperten forderten eine Senkung des bisherigen hohen Niveaus der Sonderförderung Ost. Dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur aber müsse dennoch eine Schlüsselrolle zukommen. Vereinfacht werden sollten, nach Meinung der Wissenschaftler, auch die vielen Förderprogramme. Der extrem hohe Personalbestand im öffentlichen Dienst der neuen Länder wurde als ein Hemmnis der wirtschaftlichen Entwicklung im Osten angesehen.

Osterweiterung der EU

Am Vorabend der Tagung war der Staatsminister im Bundeskanzleramt und Beauftragter der Bundesregierung für die Angelegenheiten der neuen Länder, Rolf Schwanitz, zu Gast. In seinem Festvortrag Zehn Jahre nach dem Mauerfall: Ostdeutschland im vereinten Europa erinnerte er an die historischen Verdienste der Menschen in den Oktobertagen des Jahres 89. Er machte aber auch darauf aufmerksam, dass die friedliche Revolution in der DDR ohne die Veränderungen im gesamten Osten Europas undenkbar gewesen wären und verwies auf den von der UdSSR eingeschlagenen Reformkurs oder die Öffnung Ungarns. Aus dem Streben der osteuropäischen Länder nach Demokratie und Souveränität leitete Rolf Schwanitz als logische Konsequenz eine Osterweiterung der Europäischen Union ab. Gleichzeitig machte er aber auf das mangelnde "europäische Bewußtsein" der Ostdeutschen aufmerksam. Eine Ursache dafür sah der Staatsminister in der Überlagerung des EU-Beitritts der neuen Länder durch den deutsch-deutschen Vereinigungsprozess.

Auch wenn es im emotionalen Zusammenwachsen von Ost und West Rückschläge gegeben habe, so blickte Rolf Schwanitz doch zuversichtlich in die Zukunft Deutschlands. Hoffnungen setzte er vor allem in die Jugend, die nicht mehr von der Teilung geprägt sei.

Ein Forum etabliert

Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft hat mit dem Magdeburg Meeting ein Forum etabliert, das die drängenden und ungelösten wirtschaftlichen Probleme der neuen Bundesländer stärker in das Zenturm des öffentlichen Interesses rückt. Wie diese Probleme von der Wirtschaftspolitik zu bewältigen sind, darüber muss ständig neu nachgedacht werden. Dies erfordert eine sachliche Analyse der Situation und denkbarer wirtschaftspolitischer Optionen. Hochrangige Politiker, Wirtschaftswissenschaftler und Entscheidungsträger aus der Wirtschaft haben in Magdeburg nun bereits zum 3. Mal eine Gelegenheit gefunden, sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung in den neuen Ländern auseinander zu setzen.


Autor:in Ines Perl

Letzte Änderung: 15.11.1999 -
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