Magengeschwüre sind vermeidbar

15.11.1999 -

Könnte für Sachsen-Anhalt bald ein Pilotprojekt starten?

Schon bald soll es in Norditalien keine Magengeschwüre mehr geben. Mit dieser Zielsetzung starteten vor kurzem italienische Wissenschaftler ein entsprechendes Pilotprojekt. Im Rahmen eines internationalen Workshops präsentierten sie Mitte Oktober 99 in Magdeburg dieses Vorhaben. Ähnliche Initiativen könnte sich Prof. Dr. Peter Malfertheiner, Direktor der Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, auch für Sachsen-Anhalt vorstellen und sucht dafür Verbündete unter Hausärzten und Krankenkassen.

Ein Magengeschwür (Ulkus) ist eine Infektionskrankheit, für die das Bakterium Helicobacter pylori verantwortlich ist. "Fast jeder dritte Bundesbürger trägt das Bakterium in sich", informiert Professor Malfertheiner. Nicht jeder habe Beschwerden, aber es bestehe ein Risiko für den Betroffenen, außer der mitbestehenden Gastritis, ein Geschwür oder gar Magenkrebs zu bekommen. Diese Gefahr ließe sich drastisch senken, wenn möglichst viele Menschen - Kinder und Erwachsene - sich auf das Vorhandensein des Magenbakteriums Helicobacter pylori untersuchen lassen würden.

Unkomplizierter Nachweis

Der Nachweis ist völlig unkompliziert mit einem Atemtest (neuerdings auch Stuhltest) möglich. Die medikamentöse Behandlung dauert sieben Tage. Professor Malfertheiner kann sich vorstellen, beispielsweise in einer gemeinsamen Kampagne mit den Krankenkassen in ganz Sachsen-Anhalt diese Tests in der Bevölkerung anzubieten und durchzuführen. Die Zahl der Neuerkrankungen von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren ließe sich dadurch erheblich reduzieren. Natürlich kann ein solches Projekt zunächst nur auf eine Ulkus-Region begrenzt und nicht flächenhaft auf ganz Deutschland ausgedehnt werden, da noch Vereinfachungen in der Therapie notwendig sind. " Andere Staaten, wie beispielsweise Italien, sind mit einem ähnlichen Studienkonzept bereits gestartet", betont Peter Malfertheiner, der zu den führenden Wissenschaftlern auf diesem Gebiet gehört.

Prognostisch wäre es denkbar, so der Magdeburger Experte, auch die jährlich 3,5 Millionen diagnostizierten Magenschleimhautentzündungen sowie die 12000 Magenkrebs-Neuerkrankungen in Deutschland durch eine möglichst flächendeckende vorbeugende Behandlung von Helicobacter pylori in bedeutendem Umfang zu senken. Das Konzept stimmt im Ansatz, aber bedarf zur vollständigen Umsetzung noch einiger entscheidender Entwicklungen in der Therapie.


Autor:in Kornelia Suske

Letzte Änderung: 15.11.1999 -
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