Zusammen reisen und zusammenhalten
Das Team der Universitätsbibliothek hat Ende August 2026 seinen Arbeitsplatz einen Tag lang verlassen - für einen oftmals unterschätzten Zweck.
Mit einer guten Portion Neugier im Gepäck ging es mit dem Zug nach Halle, während uns der Weg, nach einem köstlichen Mittagessen, in die Halloren-Fabrik führte. Das Highlight der eigenen Schokoladen-Herstellung wurde dabei nur von der hoch motivierten Kati getoppt, deren Führung durch die Geschichte und Herstellung der Schokolade einem wahren Entertainment entsprach. So wurde ausprobiert, gelacht, verglichen und natürlich am Ende auch massig Schokolade mit nach Hause genommen.
Ein schöner Tag also. Aber warum eigentlich gehört so etwas in den Arbeitsalltag?
Weil Menschen im Arbeitsleben einander häufig zuerst über ihre Funktion begegnen. Wer sitzt wo? Wer ist für welches Thema zuständig? Wer bearbeitet welchen Vorgang? Wer muss noch auf welche E-Mail antworten? Gerade an einer Universität mit ihren vielen Bereichen, Abteilungen und Berufsgruppen kann man sehr lange miteinander arbeiten, ohne sich wirklich kennenzulernen.
Ein gemeinsamer Tag außerhalb des gewohnten Raums
Ein gemeinsamer Tag außerhalb des gewohnten Rahmens verändert das. Plötzlich sitzt man nebeneinander im Zug, spricht über andere Dinge als die nächste Aufgabe und entdeckt vielleicht Gemeinsamkeiten, die im Büroalltag verborgen geblieben wären. Man erlebt Kolleg*innen nicht nur in ihrer beruflichen Rolle, sondern als Menschen. Und genau daraus können Verbindungen entstehen, die später in den Arbeitsalltag zurückkehren.
Das ist nicht nur ein schönes Gefühl. Es ist auch organisatorisch wertvoll.
Vertrauen erleichtert Kommunikation. Wer sich kennt, fragt eher nach, wenn etwas unklar ist. Wer weiß, wer hinter einer Aufgabe steht, kann leichter einschätzen, wen man bei einem Problem ansprechen kann. Und wer einmal gemeinsam etwas erlebt hat, hat einen gemeinsamen Bezugspunkt, der über die tägliche Zusammenarbeit hinausgeht.

Gemeinsame Erlebnisse können genau dafür einen Boden bereiten mehr Kommunikation, Vertrauen, Zugehörigkeitsgefühl und die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen. (Foto: Carina Kröber)
Gerade über Abteilungs- und Teamgrenzen hinweg kann das einen Unterschied machen. Universitäten leben von Zusammenarbeit. Wissenschaft, Verwaltung, Technik und wissenschaftsunterstützende Bereiche haben unterschiedliche Aufgaben, Sprachen und Perspektiven. Sie sind dennoch Teil derselben Organisation - unserer OVGU. Je größer und komplexer eine Einrichtung ist, desto wichtiger werden deshalb Gelegenheiten, in denen Verbindungen entstehen, die sich nicht aus einem Organigramm ergeben.
Ein Betriebsausflug kann solche Gelegenheiten schaffen. Dabei geht es nicht darum, dass nach einem gemeinsamen Tag plötzlich alle Probleme verschwunden sind oder jedes Team automatisch produktiver arbeitet. So einfach ist es nicht. Aber gute Zusammenarbeit braucht soziale Voraussetzungen, wie Kommunikation, Vertrauen, Zugehörigkeit und die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen. Gemeinsame Erlebnisse können genau dafür einen Boden bereiten.
Deshalb veranstaltet die Universitätsbibliothek jedes Jahr einen solchen Ausflug. Nicht als Gegenstück zur Arbeit, sondern als Teil guter Arbeit.
Denn auch eine Organisation muss Beziehungen pflegen. Vielleicht ist das eine Perspektive, die sich auch auf andere Bereiche der Universität übertragen lässt. Ein gemeinsamer Ausflug muss weder groß noch teuer sein. Es muss nicht einmal eine spektakuläre Reise sein. Manchmal reichen ein gemeinsames Frühstück, ein Spaziergang, ein Museumsbesuch oder ein Nachmittag an einem Ort, den noch nicht alle kennen. Entscheidend ist weniger das Programm als die Möglichkeit, für eine Weile aus den üblichen Rollen herauszutreten.
Und dabei lässt sich sogar die eigene Umgebung neu entdecken. Halle liegt nicht weit von Magdeburg entfernt und hat trotzdem genug Geschichte, Kultur und Eigenheiten, um einen Tag lang neugierig zu machen. Vielleicht schauen wir manchmal zu weit in die Ferne, wenn wir nach schönen gemeinsamen Erlebnissen suchen. Auch die Region, in der wir leben und arbeiten, hält noch einiges bereit.

Und dann war da noch die Schokolade – ausprobieren einander helfen, lachen über misslungene Ergebnisse und am Ende gemeinsames Naschen fantasievoller Köstlichkeiten. (Foto: Carina Kröber)
Und dann war da noch die Schokolade. Gemeinsam Schokolade herzustellen, ist natürlich keine wissenschaftliche Methode zur Organisationsentwicklung. Aber es hat etwas wunderbar Anschauliches. Unterschiedliche Menschen stehen am selben Tisch, probieren aus, helfen einander, lachen über misslungene Ergebnisse und nehmen am Ende etwas mit, das sie gemeinsam hergestellt haben.
Vielleicht ist das gar keine schlechte Metapher für Zusammenarbeit.
Nicht alles gelingt beim ersten Versuch. Nicht alle arbeiten auf dieselbe Weise. Nicht jede Idee passt sofort. Aber wenn Menschen sich Zeit geben, einander kennenzulernen und gemeinsam etwas auszuprobieren, kann daraus etwas entstehen, das allein so nicht entstanden wäre.
Orte und Gelegenheiten, an denen Begegnung möglich bleibt
Und vielleicht bekommt der Gedanke des Betriebsausflugs gerade in diesem Sommer noch eine andere Dimension. Wir erleben eine Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht selbstverständlich ist, Unterschiede schneller zu Trennlinien werden und politische Debatten zunehmend von Abgrenzung geprägt sind. Auch eine Universität ist kein abgeschlossener Raum. Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, Überzeugungen und Perspektiven arbeiten hier miteinander. Umso wichtiger sind Orte und Gelegenheiten, an denen Begegnung möglich bleibt.
Ein Betriebsausflug wird die großen gesellschaftlichen Fragen nicht lösen. Aber er erinnert an etwas Kleines und gleichzeitig Grundsätzliches: Zusammenhalt entsteht nicht dadurch, dass alle gleich sind. Er entsteht, wenn Verschiedene miteinander verbunden bleiben.
Genau deshalb kann ein gemeinsamer Tag manchmal wertvoller sein, als er auf den ersten Blick aussieht. Und vielleicht sollte man ihn nicht daran messen, wie viel Arbeit an diesem Tag liegen geblieben ist, sondern daran, was davon am nächsten Arbeitstag wieder mit zurückkommt.
TEXT: Carina Kröber